Vor dem Hintergrund eines aufgeschlagenen Buchs mit klein gedrucktem, kaum lesbarem Text steht "Was Lektorat und Korrektorat unterscheidet", auf der rechten Buchseite liegt eine getrocknete Pflanze.

Yeah, endlich bist du fertig mit Schreiben! Jetzt wärs natürlich super, wenn jemand mit professionellen Augen drüberliest, Fehler korrigiert und Unstimmigkeiten anmerkt. Aber was buchst du dafür, ein Lektorat oder eine Korrektur – oder ist das gar dasselbe? Nein, das nicht, aber wie unterscheidet sich beides? Brauchst du überhaupt Lektorat und Korrektorat oder reicht eins davon? Das erkläre ich in diesem Blog.

Wie unterscheiden sich Lektorat und Korrektorat?
Für die Eiligen hier die wichtigsten Infos:

Lektorat bedeutet umfassende Textoptimierung für einen gut lesbaren, verständlichen Text, der zur Zielgruppe passt

Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung

Ausdruck, Sprache und Stil

Wiederholungen (von Wörtern und inhaltlich)

Gliederung und Aufbau

Gendergerechte Sprache (optional)

Faktencheck (optional)

Korrektur lesen bedeutet formale Fehler verbessern, die vom Inhalt des Textes ablenken könnten.

Rechtschreibung

Grammatik

Zeichensetzung

Vereinheitlichen von Schreibweisen

Kurzer Check von Fachbegriffen, Namen, Links etc.

Was ist ein Korrektorat?

Wenn ich einen Text Korrektur lese, verbessere ich darin im Wesentlichen die Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dabei halte ich mich stets an die offiziellen Rechtschreibregeln und die Empfehlungen des Dudens. Also falls wir nichts anderes vereinbart haben. Die Textkorrektur umfasst bei mir die folgenden Punkte:

  • Rechtschreibung

    Tippfehler

    Zusammen- und Getrenntschreibung

    Groß- und Kleinschreibung

    Silbentrennung

  • Grammatik

    Passen alle Wörter eines Satzes grammatikalisch zueinander?

    Sind die Zeitformen schlüssig?

    Ist der Satzbau sinnvoll?

    Stimmen die Bezüge?

  • Zeichensetzung

    Kommasetzung

    Einheitliche Anführungszeichen

    Prüfen der Binde- und Gedankenstriche sowie Leer-, Satz- und Sonderzeichen

    Entfernen doppelter Leerzeichen (aka mein Abschlussritual am Ende jedes Auftrags)

Vereinheitlichen = wichtiger Teil des Korrigierens

Zum Korrektorat gehört für mich auch, dass ich in deinem Text Einheitlichkeit herstelle. Wenn du etwa mal z. B. und mal zum Beispiel verwendest, passe ich das so an, dass nur eine der beiden Schreibweisen im Text vorkommt. Welche das ist, besprechen wir vorher oder ich richte mich nach den Vorgaben deines Verlags bzw. Fachbereichs.

Gerade bei englischen (Fach-)Wörtern, die nicht im Duden stehen, gibt es oft verschiedene Schreibweisen. Heißt es zum Beispiel High Yielding Variety, high-yielding variety oder High-yielding Variety? Der Umgang mit Anglizismen ist so komplex, dass ich denen einen eigenen Blogpost widmen möchte. Wichtig an dieser Stelle ist, dass ich im Rahmen eines Korrektorats darauf achte, dass sie in deinem Text durchgehend gleich geschrieben werden.

Googeln gehört auch dazu

Eine weiße Person mit Brille, Kappe und Kopfhörern beugt sich mit einer Lupe in der Hand über ein großes aufgeschlagenes Wörterbuch.

Lektor*in beim Googeln (Symbolbild)

Falls der Text nicht zu aufwendig ist, habe ich Zeit dafür, Namen zu googeln und zu prüfen, ob Fachbegriffe richtig geschrieben sind. Fällt mir dabei etwas auf, kommentiere ich das kurz, damit du das beim Überarbeiten deines Textes prüfen kannst.

Was ich nicht bei einem Korrektorat prüfe: Stil und Ausdruck, also wie der Text seinen Inhalt vermittelt, ob er logisch ist, ob es Wiederholungen gibt und so weiter. Sollte mir ein wirklich gravierender Widerspruch auffallen, merke ich das aber meistens an.

Das bedeutet Lektorat

Beim Lektorat steige ich tiefer in die Optimierung deines Textes ein und bearbeite ihn sehr viel umfassender als beim Korrekturlesen. Zwar verbessere ich ebenfalls Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung und vereinheitliche und prüfe, was vereinheitlicht und geprüft werden muss. Hauptsächlich aber will ich im Rahmen des Lektorats erreichen, dass dein Text zu deiner Zielgruppe passt und gut lesbar ist.

Was genau das heißt, kommt immer auf die Textart an: In einer wissenschaftlichen Arbeit entferne ich Füllwörter (halt, sozusagen, nämlich), achte auf präzise Aussagen und eine angemessene Wortwahl, sprich: keine Umgangssprache, keine Floskeln oder Redewendungen, keine Übertreibungen.

Auf den Text kommt es an

In einem populärwissenschaftlichen Text, einem Blogpost oder einem Newsletter dagegen kann eine zu nüchterne Sprache fehl am Platze sein und die Lesenden vergraulen. Darum versuche ich, meine Blogs so zu schreiben, als ob ich drüber reden würde, mit Füllwörtern, Anglizismen und allem, was dazu gehört. Ist mir das gelungen? Schreibs in die Kommentare!

Okay, was gehört noch zum Lektorat? Natürlich, dass ich den Aufbau und die Gliederung prüfe. Zum Beispiel lese ich mir das Inhaltsverzeichnis durch, gucke, ob die Kapitel vielleicht zu kleinteilig sind oder die Kapitellänge unausgewogen ist. Beispielsweise ist es nicht so sinnvoll, lauter kleine kurze Kapitel zu schreiben, die dann aber nur jeweils zwei Absätze enthalten. Noch leseunfreundlicher sind aber meterlange, komplett ungegliederte Texte. Und ich habe ein Auge darauf, dass die Absätze sprachlich miteinander verbunden sind, no argument is an island.

Ja, auch die Überschriften

Ich gucke übrigens auch, ob die Überschriften verständlich und passend zum dahinter stehenden Text formuliert sind oder ob sie falsche Erwartungen wecken. Clickbait macht sich in der Bachelorarbeit gar nicht gut (mal abgesehen davon, dass es nichts zum Klicken gibt, höhö), das gilt auch für sehr lange Überschriften oder solche, die identisch formuliert mehrmals vorkommen.

Das gilt übrigens auch für die Beschriftung von Tabellen und Abbildungen. Bei denen prüfe ich beim Lektorieren auch, ob sie an der richtigen Stelle stehen, ob die Nummerierung stimmt und wie darauf im Fließtext verwiesen wird.

Inhaltliche Wiederholungen und Wortwiederholungen verbessere ich beim Lektorieren Texten entweder direkt oder merke sie an. Für verschachtelte Sätze schlage ich Neuformulierungen vor. Auf Wunsch achte ich auf gendergerechte Sprache und kommentiere Stellen, die mir unlogisch erscheinen.

Uff, so viel? Falls du dich jetzt fragst, ob du deinen Text nach dem Lektorat überhaupt noch wiedererkennst – hier findest du die Antwort darauf.

Wann brauche ich ein Lektorat und wann ein Korrektorat?

Wenn du möchtest, dass jemand deinen Text gründlich liest, sprachlich auf ein höheres Niveau bringt, rundum optimiert und dir umfangreiches Feedback dazu gibt, lässt du ihn am besten lektorieren.

Bist du mit deiner Arbeit und deinem Schreibstil zufrieden und wünschst dir vor allem, dass alle Formalitäten stimmen, oder wurde dein Text schon von einer anderen Person lektoriert, buchst du das Korrektorat.

Erst lektorieren, dann korrigieren

Übrigens: Üblicherweise wird ein Text erst lektoriert, dann Korrektur gelesen. Nach einem Lektorat musst du meistens deinen Text noch einmal mehr oder weniger tiefgehend überarbeiten, eventuell Stellen umschreiben oder verschieben. Dadurch können sich Tippfehler und Wortwiederholungen einschleichen, die dann in einem finalen Korrekturgang aufgeräumt werden.

Gut zu wissen

Sinnvollerweise kümmert sich eine andere Person um das Abschlusskorrektorat, der*die Lektor*in kennt den Text nach der intensiven Beschäftigung damit zu gut und wird Fehler übersehen. Mit frischen Augen ist das weniger wahrscheinlich.

Was ist jetzt also der Unterschied zwischen Lektorat und Korrekturlesen?

Noch einmal kurz zusammengefasst: beim Lektorat überarbeite ich deinen Text auf sämtlichen Ebenen (also soweit es mir möglich ist) mit dem Ziel, dass er sich danach noch besser lesen lässt. Das nimmt viel Zeit in Anspruch und ist darum teurer.

Wenn ich einen Text korrigiere, ist mein Ziel, dass er formal richtig ist. Inhalt und Stil blende ich dabei weitgehend aus. Beim Korrekturlesen schaffe ich mehr Seiten in der Stunde als beim Lektorat, darum ist es günstiger.

Über welches Thema rund um Lektorat, Rechtschreibung und schönere Texte soll ich als Nächstes bloggen? Schreib deinen Wunsch in die Kommentare. 🙂

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