Wenn ich Texte für meine Kund*innen lektoriere, blättere ich oft zum Kapitel „Farbbezeichnungen“ im Duden. Wie man die richtig schreibt, kann ich mir nämlich einfach nicht merken, weil es ganz schön tricky ist. Oder weißt du auf Anhieb, was richtig ist: Ein rot oder Rot schreibender Stift? Eine Blume blüht in leuchtendem orange oder Orange? Und geht man bei grün oder Grün über die Ampel? In diesem Blog erfährst du, wann Farben groß- und wann kleingeschrieben werden.

Schreibt man Farben groß oder klein?
Für die Eiligen hier die wichtigsten Infos:

Farbwort ist Adjektiv/Adverb = Klein

Wie ist der Käfer? → Adjektiv, also Kleinschreibung:

Wie schreibt der Stift? → Adverb , also Kleinschreibung

Schau dir den roten Käfer an.

Schau dir den Roten Käfer an.

Der Stift schreibt grün.

Der Stift schreibt Grün.

Farbwort ist Substantiv = Groß

Was zeigt die Ampel? → Substantiv, also Großschreibung:

Die Ampel zeigt Rot.

Die Ampel zeigt rot.

Farbwort ist Teil von
Eigennamen, Fachbegriffen,
Redewendungen

Feste Eigennamen: Großschreibung:
🌍 Blauer Planet
🍄 Grüner Knollenblätterpilz

Klein bei Redewendungen wie …

… das steht hier schwarz auf weiß
… sich grün und blau ärgern


Manchmal ist beides richtig
, der Duden empfiehlt dann meistens eine Variante:

🟢 der Grüne oder grüne Punkt
🚮 der Gelbe oder gelbe Sack

So. Für alle, die eigentlich Besseres zu tun haben und ohne schlechtes Gewissen rumprokrastinieren wollen (du bildest dich schließlich weiter, das ist nützliches Wissen, noch ein paar Beispiele schaden nie!), hier das Ganze noch mal etwas ausführlicher.

Farben schreibt man klein, wenn sie Adjektive sind

Wenn du beschreibst, wie etwas ist, also die Farbbezeichnung als Adjektiv gebrauchst, schreibst du sie klein. Ob es sich um ein Adjektiv handelt, erkennst du daran, dass du die Farbe mit Wie? erfragen kannst:

Die Sonne lacht vom blauen Himmel. Wie ist der Himmel? → blau
Ein Käfer spaziert über den grünen Grashalm? Wie ist der Grashalm? → grün

Das gilt auch für Farbadjektive in Redewendungen wie:

Das steht hier schwarz auf weiß, grün und gelb vor Neid, blau in blau

Und auch für Mischfarben, zusammengesetzte Farbwörter oder Schattierungen:

Typisch für das Wandelröschen sind die orange-violetten Blüten.
Die blaugrauen Wolken kündigen Regen an.
Sie blicken auf die gelbgrüne Wiese hinaus.

Apropos Mischfarben, schreibt maus die zusammen, auseinander oder mit Bindestrich? Easy, sind mehrere Farben nebeneinander zu sehen, dann mit Bindestrich (ein rot-gelb kariertes Tischtuch), Mischfarben zusammen (blaugraue Augen). Und niemals auseinander.

Grün, grüner, am grünsten – geht das?

Na klar. Wie andere Adjektive kannst du adjektivisch gebrauchte Farben auch steigern. Das kommt vor allem in der Umgangssprache häufig vor. Zum Beispiel so:

Deine Karotten sind oranger als meine.
Das sind die rötesten Erdbeeren, die ich je gesehen habe.

Farben können auch Umstandswörter (Fachbegriff: Adverbien) sein, also eine Handlung oder einen Zustand näher beschreiben. Dann beginnen sie ebenfalls mit kleinem Buchstaben:

Wieso habt ihr die Kuh lila gefärbt?
Der Stift schreibt rot.

Als Substantiv werden Farben großgeschrieben

Daneben ist es möglich, eine Farbe wie ein Nomen, also ein Substantiv, zu verwenden. Dann schreibst du sie groß. Substantive erkennst du daran, dass du sie mit Was? erfragen kannst.

Wie im Beispiel oben: Die Ampel zeigt Rot. (Was zeigt die Ampel?)

Ein Substantiv ist das Farbwort auch, wenn es Dinge wie Stifte (oder andere Kunstzutaten), Spielkarten, Flüssigkeiten oder Spielfiguren bezeichnet:

Jetzt ist Rot Trumpf.
Wer Blau mit Gelb mischt, erhält Grün.
Typisch für diese Reaktion ist der Farbumschlag von Gelb zu Blau.
Im nächsten Zug rückt Schwarz drei Felder vor.

Die Was-Probe holpert manchmal, wie im Beispielsatz: Die Blume blüht in leuchtendem Orange. (Die Blume blüht in leuchtendem Was? klingt komisch, oder?). Zum Glück gibt es weitere Möglichkeiten, Substantive zu identifizieren. Nämlich wenn sie zusammen mit einem der folgenden Wörter stehen:

  • Artikel: (der, die, das, ein, eine, eines): Das Rot der Tulpen
  • Adjektiv: mattes, glänzendes, helles, leuchtendes Orange
  • Präposition (in, auf, bei, mit usw.): bei Grün über die Ampel gehen, ein Kleid in Rosa
  • Zahlwort (viel, wenig, alle): viel Lila auftragen, alles Blau aufbrauchen
  • Pronomen (kein, mein, dein, sein usw.): Es ist kein Rot mehr da, mein Gelb ist schöner als deins

Genauso werden bei Farbwörtern, die Substantive sind und Mehrfarbigkeit bezeichnen, alle Bestandteile großgeschrieben:

Ein Film in stimmungsvollem Schwarz-Weiß
Das Rot-Gelb-Blau der Fahnen leuchtete in der Sonne.

Ausnahmen gibts natürlich auch

Ich wäre enttäuscht vom Duden und der deutschen Sprache, wenn es keine Ausnahmen und Mehrdeutigkeiten gäbe. Gibt es aber.

Wenn die Farbe als Adjektiv einen Eigennamen oder ein Fachwort näher bestimmt, wird sie großgeschrieben.

🌏 Blauer Planet
🕷 Schwarze Witwe
🍄 Grüner Knollenblätterpilz
🥕 Rote Bete

Und um die Verwirrung komplett zu machen, erlaubt der Duden für manche Wörter auch beide Varianten:

Die Rote/rote Karte für den Platzverweis im Fußball oder blauer/Blauer Brief (Benachrichtigung über Versetzungsgefährdung oder Kündigung)

In solchen Fällen empfiehlt der Duden üblicherweise eine der beiden Schreibweisen (die sind dann gelb markiert → wie sind sie markiert? gelb = Adjektiv, also klein, ganz genau), die andere ist aber ebenfalls richtig.

Bei manchen Wendungen wie „Meine Lieblingsfarbe ist grün/Grün“ oder „Die Farben der französischen Flagge sind rot, weiß und blau/Rot, Weiß und Blaubevorzugt der Duden weder die Groß- noch die Kleinschreibung. Da hast du als schreibende Person die freie Wahl und ich würde da auch nichts dran ändern.

So viele Ausnahmen merke ich mir nicht und schlage darum lieber einmal mehr nach, ob die Farbe jetzt groß oder kleingeschrieben wird. (Vor allem, weil der Duden seine Empfehlungen auch gern mal ändert.) Ich empfehle dir, das genauso zu machen.

Und wie mach ich das beim Korrigieren?

Mir ist beim Lektorieren deines Textes wichtig, dass ich deinen Stil bewahre. Gerade bei Abschlussarbeiten lege ich darauf großen Wert. Darum ist es wichtig, dass du mir mitteilst, ob ich bestimmte Schreibweisen berücksichtigen soll. Zum Beispiel, weil dein Professor stets „Grüne Energie“ mit großem G schreibt und das auch von seinen Studierenden verlangt. Die lasse ich dann so stehen und vereinheitliche sie im Text.

Gibt es solche Ausnahmen nicht und bist du damit einverstanden, richte ich mich grundsätzlich nach den Empfehlungen des Dudens. Das heißt, ich entscheide mich bei mehreren Möglichkeiten immer für die vom Duden empfohlene.

Und was mache ich in Fällen, bei denen der Duden keine Variante bevorzugt? Dann entscheidest du! Ich würde dich dann direkt fragen oder einen Kommentar setzen.

Du möchtest dich beim Schreiben ganz auf den Inhalt konzentrieren, denn Wörter nachschlagen lenkt dich nur ab und dann brauchst du eine halbe Stunde und eine Packung Kekse, um wieder reinzukommen? Dann tipp ruhig los, wie dir der Schnabel gewachsen ist, ich erledige dann den Feinschliff. Schreib mir!

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