Botanische Pflanzennamen sind eh schon eine Wissenschaft für sich, und dann müssen sie auch noch richtig geschrieben werden! Zum Glück ist das leichter, als »paeoniifolius« auf Anhieb richtig zu tippen. In diesem Blog zeige ich dir die wichtigsten Regeln. Und wenn er dir gefällt, lass mir gern unten ein Like da.

Übersicht der richtigen Schreibweise lateinischer Pflanzennamen anhand verschiedener Erdbeerarten, Pfeile markieren Gattung, Art, Autor*innenkürzel, Hybridmarkierung und Sortenbezeichnung.

Zum Vergrößern antippen

Die Eiligen finden in der oben stehenden Tabelle alle wesentlichen Regeln, die beim Schreiben botanischer Pflanzennamen zu beachten sind. Wer den ersten Namen groß-, den zweiten klein- und Deutsch und Latein nicht durcheinanderschreibt, ist auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Hier gehts direkt zu den ausführlichen Regeln.

Und für alle, die noch ein bisschen Zeit haben oder eh grad so schön prokrastinieren, habe ich in diesem Blog noch ein paar Fakten rund um botanische Namen aufgeschrieben.

Was sind botanische Namen?

Pflanzennamen sind gar nicht mal so genau. Oft heißen Pflanzen je nach Region unterschiedlich. Das Gänseblümchen (Bellis perennis) zum Beispiel wird auch Tausendschön, Maßliebchen oder Monatsröserl genannt, in der Schweiz sagt man dazu Margritli. Andersrum können mit »Butterblume« alle möglichen gelb blühenden Pflanzen gemeint sein (meistens verschiedene Vertreter der Hahnenfußgewächse).

Mitunter sind die deutschen Bezeichnungen auch botanisch unzutreffend und dadurch irreführend. So gehört die häufig als Zimmerpflanze vorkommende Spuckpalme (Euphorbia leuconeura) nicht zur Familie der Palmengewächse (Araceceae/Palmae), wie man annehmen könnte, sondern zu den Wolfsmilchgewächsen (Euphorbiaceae). Und natürlich hat so manches unscheinbare Gras, Kraut, vielleicht gar keinen Trivialnamen, weil es im Alltag einfach unbedeutend ist.

Ungenauigkeiten und Irreführungen mögen Wissenschaftler*innen aber nicht. Um Pflanzen eindeutig benennen, bestimmen, also systematisch einordnen, und erforschen zu können, haben sie denen darum einen individuellen botanischen Namen verpasst. Der besteht üblicherweise aus zwei meist lateinischen, griechischen oder auch eingelateinischten Namen, dem Gattungs- und dem Artnamen. Letzterer enthält oft Hinweise auf das Erscheinungsbild oder typische Eigenschaften der betreffenden Pflanze, dazu gleich mehr.

Linné, der Erfinder der botanischen Namen?

Ich hab noch in der Schule gelernt, Carl von Linné hätte diese sogenannte botanische binäre (= zweiteilige) Nomenklatur mit seinem 1753 erschienenen Werk Species Plantarum begründet. Doch es gab vor ihm schon andere Wissenschaftler*innen, die Pflanzen beschrieben, klassifizierten und ihnen zweiteilige Namen gaben, zum Beispiel den Schweizer Botaniker Gaspard Bauhin, dessen Herbarium aus dem 16. Jahrhundert eines der ältesten erhaltenen Herbarien weltweit ist. Die Uni Basel bewahrt es in ihrer umfangreichen Sammlung auf, dort kann man es sich auch ansehen.

Es ist also wie so oft etwas komplizierter und die botanische Nomenklatur eher ein über mehrere Jahrhunderte gewachsenes Gemeinschaftswerk, um es mal vereinfacht auszudrücken, und so entstand der ICN, der International Code of Nomenclature for algae, fungi, and plants, oder »the Code«, wie die Botaniker*innen sagen. Der regelt bis heute, wie Pflanzen, Algen und Pilze benannt werden. Auch neu entdeckte zum Beispiel oder solche, die nach eingehender Untersuchung anders einsortiert werden, weil sie doch nicht zur Familie X gehören, sondern ein Y-Gewächs sind.

Solche neuen Erkenntnisse kommen immer wieder vor, schließlich gibt es heute viel exaktere Methoden als zu Zeiten Bauhins und Linnés. Besonders häufig sind Umbenennungen und neue Einordnungen bei Pilzen. Das sind nämlich sehr komplexe Lebewesen, die zum Beispiel in der vegetativen anders als in der generativen Wachstumsphase aussehen, manche Pilze haben 17.000 Geschlechter (take that, gender binary!), darum wurde anfangs nicht direkt erkannt, dass es sich um die dieselbe Art handelt. Und von schätzungsweise zwei bis vier Millionen Pilzarten sind momentan etwa 150.000 beschrieben und benannt.

Darum sind Pflanzennamen lateinisch

Latein war lange Zeit die Lingua franca der Wissenschaft, und zwar weil es nicht mehr gesprochen wird und sich darum anders als gesprochene Sprachen nicht mehr ändert.

Grundgedanke ist (um mal bei den Pflanzen zu bleiben): Jedes Gewächs erhält einen Doppelnamen, der erste ist die Gattungs- und der zweite die Artbezeichnung. Dabei ist der Gattungsname ein Substantiv (das dementsprechend großgeschrieben wird) und der Artname ein Adjektiv (mit kleinem Buchstaben beginnend). Letzterer gibt meistens einen Hinweis auf ein charakteristisches Merkmal der Pflanze oder ihr geografisches Verbreitungsgebiet.

Zum Beispiel das Gänseblümchen: Dessen wissenschaftliche Bezeichnung lautet Bellis perennis. Bellis kommt von bellus und heißt hübsch, perennis bedeutet ausdauernd, es handelt sich also um eine mehrjährige Pflanze, die hübsch anzusehen ist. Durch den Artnamen perennis grenzt es sich von anderen Arten aus der Gattung Bellis ab, etwa Bellis longifolia (das Langblättrige Gänseblümchen) oder Bellis azorica, das auf den Azoren zu finden ist.

Longifolia und azorica, das kann man sich auch ohne Latinum herleiten. Hier eine kleine Übersicht, um die »Nachnamen« von Pflanzen besser zu verstehen:

caerulea = blau → Sesleria caerulea (Kalk-Blaugras)
grandiflora = große Blüten → Sempervivum grandiflorum (Großblütige Hauswurz)
grandifolia = große Blätter → Fagus grandifolia (Amerikanische Buche)
japonica = kommt aus Japan → Camellia japonica (Japanische Kamelie)
officinalis = wurde als Heilpflanze verwendet → Calendula officinalis (Ringelblume)
pubescens = behaart → Philadelphus pubescens (Weichhaariger Pfeifenstrauch)
vulgaris = gewöhnlich → Artemesia vulgaris (Gemeiner Beifuß)

Viele Pflanzen sehen … interessant aus, auch Wissenschaftler*innen haben Humor und so gibt es eine Reihe lustiger Pflanzennamen:

  • Amorphophallus titanum = Titanwurz, die Pflanze mit dem größten Blütenstand, der Name bedeutet literally riesiger verformter Penis.
  • Dracula smaug = eine Orchidee aus der Gattung Dracula, benannt nach dem Drachen aus Der kleine Hobbit
  • Clitoria ternatea = Blüte dieser Kletterpflanze sieht aus wie 1 Vulva
  • Lobelia siphilitica = Europäische Colonizer dachten, diese Pflanze könne Syphilis heilen.

So werden lateinische Pflanzennamen richtig geschrieben

Bei botanischen Namen schreibt man den Gattungsnamen (also den ersten) groß, den Artnamen (den zweiten) klein und beides kursiv: Fragaria vesca.

Bei der Ersterwähnung je nach Textart kommt noch das international standardisierte Autor*innenkürzel dazu (Link IPNI), das allerdings nicht kursiv: Fragaria vesca L.

Haben weitere Forschungen zu einer Umkombination geführt (also wurde die Art einer anderen Gattung zugeordnet), wird das ursprüngliche Autor*innenkürzel in Klammern gesetzt und das neue dahinter angeführt: Potentilla indica (Andrews) Th.Wolf

Bei allen weiteren Erwähnungen wird dann der Gattungsname abgekürzt und das Autorenkürzel weggelassen, die Kursivschrift bleibt: F. vesca.

Manche Pflanzennamen enthalten außerdem eine Bezeichnung der Unterart (subsp./ssp. = subspecies), Varietät (var. = varietas) oder Form (f. = forma), alles verschiedene weitere Abstufungen innerhalb der Taxonomie, die Grenzen sind eher fließend und manche Varietät wurde später als Unterart eingeordnet. Sie werden nicht kursiviert. Das sieht dann z. B. so aus:
Fragaria chiloensis f. patagonica
Fragaria nipponica subsp. chejuensis Staudt & Olbricht

Sortenbezeichnungen stehen nach dem botanischen Namen in einfachen Anführungszeichen:

Fragaria × ananassa ‚Mieze Schindler‘

Und Hybride, die aus der Kreuzung verschiedener Arten oder Gattungen entstanden sind, wie die eben erwähnte Gartenerdbeere, werden durch ein Malzeichen zwischen Gattungs- und Artnamen gekennzeichnet. Ein Beispiel ist die Blaue Schwertlilie Iris × germanica.

Kleiner Exkurs: Botanik und Kolonialismus

Der Code (ich liebe dieses leicht mitschwingende Geheimnisvolle so sehr!) enthält übrigens auch Regeln zur Benennung von Fossilien und wird beim alle sechs Jahre stattfindenden International Botanical Congress diskutiert. Beim letzten Treffen 2024 beschlossen die Botaniker*innen erstmals, Pflanzen umzubenennen, deren Namen rassistische Begriffe enthalten (Kolonialismus und Rassismus machen nämlich vor wirklich keinem Fachgebiet Halt).

Zum Beispiel soll der Artname caffra, der eng verwandt mit einem rassistischen Slur ist, in Zukunft durch afra, afrorum bzw. afrum ersetzt werden, was auf die afrikanische Herkunft der betreffenden Pflanze (oder Tier oder Pilz) hinweist. So geschehen bereits bei Senegalia afra, einem in Botswana, Simbabwe und Mosambik beheimateten Baum.

Kolonialismus spiegelt sich auch insofern in der Botanik wider, als weiße Botaniker*innen Pflanzen »entdeckten« und einfach mal nach sich benannten, ohne sich darum zu scheren, wie die einheimische Bevölkerung diese Pflanzen bezeichnete. So wächst in Angola und Namibia eine extrem faszinierende Pflanze, die nach ihrem »Entdecker« Friedrich Welwitsch den offiziellen Namen Welwitschia mirabilis trägt, aber zum Beispiel auf Nama khurub heißt, die Herero nennen sie onyanga.

To be fair, Welwitsch wollte sie Tumboa nennen (nach einer weiteren lokalen Bezeichnunug, N’tumbo), konnte sich aber gegen den damaligen Direktor der Linnean Society of London, Joseph Dalton Hooker, nicht durchsetzen und stimmte letztendlich der Klassifizierung als Welwitschia zu. Tree tumbo (ein weiterer gebräuchlicher Name) ist eine der langlebigsten Pflanzen der Erde, einige Exemplare sind mehrere Tausend Jahre alt, sie kommt mit extremer Hitze und Trockenheit klar, vermehrt sich über Zapfen wie die Nadelbäume, ist ein lebendes Fossil und im Wappen Namibias abgebildet.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner